Geleitwort

Als Hochschule für Männer nahm die Universität Leipzig 1409 ihren Betrieb auf. Über Jahrhunderte hinweg blieb sie, wie andere Bildungseinrichtungen auch, ein exklusives männliches Refugium. Viel Mut, Durchsetzungskraft, Unerschrockenheit und Willen waren notwendig, um diese
Exklusivität aufzubrechen. Bis Frauen den Schritt von der Gattin mit mehr oder weniger Einblick in und Einfluss
auf den Lehrbetrieb zur Gasthörerin oder schließlich zur Professorin schafften, war es ein langer und beschwerlicher
Weg. Doch eine Reihe von Pionierinnen ging ihn und legten damit den Grundstein für grundlegende Änderungen im Universitätsbetrieb, die sich natürlich auch auf die Gesellschaft auswirkten.
Die Ausstellung GATTIN. GASTHÖRERIN. GLEICHSTELLUNG. widmet sich diesen Pionierinnen und zeichnet sensibel deren Einsatz für die Erhöhung der Bildungschancen von Frauen nach. Es ist gut, sich mit den Anfängen der Frauenbildungs- und Emanzipationsbewegung auseinanderzusetzen und sich so auch zu vergegenwärtigen, wo diese Bewegung heute steht. Die Bedeutung von Gleichstellung ist inzwischen überwiegend anerkannt und akzeptiert. Und dennoch bedarf es auch heute noch mutiger Pionierinnen, die den Weg zu einer echten Gleichstellung hin weiterentwickeln und vorangehen.
Denn echte Gleichstellung bedeutet noch viel mehr. Sie lässt sich nicht nur auf die Kategorie des Geschlechts eingrenzen, sondern umfasst auch Alter, Religion, Herkunft oder sexuelle und geschlechtliche Identität.
Ich wünsche Allen, die sich für die Chancengleichheit aller Universitätsangehörigen einsetzen viel Kraft und
viel Unterstützung für ihre wichtige Arbeit. Und ich wünsche mir, dass die Ausstellung und der Katalog auch
dazu beitragen, zu verdeutlichen, dass Gleichstellung und Chancengleichheit wichtige Werte sind, für die es
sich einzusetzen lohnt.
Petra Köpping